Immobilie ohne Makler verkaufen in Berlin: Wann es sich lohnt – und wann nicht

Die Maklercourtage in Berlin beträgt 7,14 Prozent des Kaufpreises, hälftig geteilt: 3,57 Prozent zahlt der Verkäufer, 3,57 Prozent der Käufer. Bei einer Wohnung für 500.000 Euro sind das 17.850 Euro auf Verkäuferseite. Das ist viel Geld – und der häufigste Grund, warum Eigentümer über einen Privatverkauf nachdenken.

Was muss ich beim Privatverkauf selbst leisten?

Ein Privatverkauf ist keine einfache Transaktion. Wer ohne Makler verkauft, übernimmt alle Aufgaben selbst:

Wertermittlung: Eine fehlerhafte Preisfindung ist der teuerste Fehler beim Privatverkauf. Zu hoch angesetzt vergrault Interessenten, zu niedrig verschenkt Eigenkapital. Ohne Marktkenntnis und aktuelle Vergleichsdaten ist eine realistische Preisfindung schwierig.

Unterlagen: Grundbuchauszug, Energieausweis (Pflicht), Grundrisse, WEG-Unterlagen bei ETW, Mietverträge bei vermieteten Objekten, Baugenehmigungen, Baupläne. Fehlende Unterlagen verzögern den Notartermin und schrecken Käufer ab.

Vermarktung: Professionelle Fotos, Exposé-Erstellung, Inserat auf Portalen (ImmoScout24, Immowelt, Immonet), Beschreibungstexte. Kosten: 500 bis 2.000 Euro für professionelle Fotografie und Portale.

Besichtigungen: Terminkoordination, Durchführung, Qualifizierung der Interessenten, Bonitätsprüfung.

Verhandlung: Preisverhandlungen ohne emotionale Distanz zum Objekt führen häufig zu schlechteren Ergebnissen als professionell geführte Verhandlungen.

Notartermin: Vorbereitung, Abstimmung mit dem Notariat, Prüfung des Kaufvertragsentwurfs.

Welche Haftungsrisiken bestehen beim Privatverkauf?

Das ist der am häufigsten unterschätzte Aspekt. Verkäufer haften für arglistig verschwiegene Mängel – auch nach dem Verkauf. Wer einen Mangel kennt und ihn nicht angibt, riskiert Schadensersatzansprüche. Ein Makler übernimmt die Aufgabe, bekannte Mängel korrekt zu dokumentieren und den Interessenten gegenüber offenzulegen – und haftet selbst für Fehler in der Objektdarstellung.

Wann ist ein Privatverkauf sinnvoll?

In wenigen Ausnahmefällen kann ein Privatverkauf funktionieren: Wenn ein konkreter Käufer bereits bekannt ist (Familienverkauf, Nachbar, Mieter), wenn die Immobilie sehr unkompliziert ist und alle Unterlagen vorliegen, und wenn der Eigentümer Zeit und Sachkenntnis mitbringt.

Wann ist ein Makler günstiger als gedacht?

Berliner Makler erzielen im Durchschnitt Kaufpreise, die über dem Niveau von Privatverkäufen liegen. Studien zeigen Unterschiede von 5 bis 15 Prozent. Bei einer 500.000 Euro Wohnung entspricht das 25.000 bis 75.000 Euro – deutlich mehr als die Maklercourtage von 17.850 Euro. Hinzu kommt: Makler tragen das Vermarktungsrisiko, Eigentümer beim Privatverkauf nicht.

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